Medikamente bei Brustkrebs

 

Diese Übersicht über die verschiedenen gebräuchlichen Brustkrebs-Medikamente dient Ihnen als Nachschlagewerk, wenn Sie etwas mehr über die Wirkweise erfahren wollen. Wir haben Ihnen auch zusammengestellt, welche Patientinnen in welcher Situation ein Medikament erhalten dürfen, wie es dosiert wird und was Sie z.B. an Nebenwirkungen beachten sollten.

 

 

Vorab erklären wir Ihnen hier noch unsere wichtigsten verwendeten Kategorien:

 

Indikation: die Arzneimittelbehörden legen fest, welche Patientin mit welchem Tumor, in welcher Situation, mit welcher Vorbehandlung etc. ein Medikament erhalten dürfen.

 

Verabreichung: in welcher Form wird das Medikament gegeben: als Infusion über die Vene, als Spitze in den Muskel (intramuskulär, i.m.) oder unter die Haut (subkutan, s.c.), als Tablette oder Kapsel (oral) etc.

 

Dosierung: in dieser Rubrik erfahren Sie die empfohlene Dosierung

 

Nebenwirkungen: hier listen wir die häufigsten Nebenwirkungen des Medikamentes auf

 

A

Abemaciclib (Handelsname: Verzenios): Abemaciclib ist ein CDK4/6-Hemmer und somit ein zielgerichtetes Medikament, das beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt wird. Vor allem das Wachstum und die Teilung hormonempfindlicher (ER-positiver, PR-positiver) Brustkrebszellen hängt von diesen Enzymen ab. Die meisten gesunden Zellen bleiben verschont, weil dies für sie nicht gilt. Abemaciclib wird in Kombination mit einer Antihormontherapie, respektive Aromatasehemmern oder Fulvestrant, beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt. Die Wirkung der Antihormontherapie wird dadurch deutlich verbessert, Resistenzen werden verhindert. Wird Abemaciclib vor den Wechseljahren gegeben, muss die Eierstockfunktion mit einem GnRHa ausgeschaltet werden.

Im Gegensatz zu den anderen beiden CDK4/6i hemmt Abemaciclib vor allem CDK4. Dadurch wird auch das etwas unterschiedliche Nebenwirkungsprofil erklärt.

Aufgrund sehr vielversprechender Studiendaten wird im Laufe dieses Jahres (2021) auch die Zulassung von Abemaciclib in der adjuvanten Therapie bei hormonempfindlichem Brustkrebs und hohen Risiko erwartet.

Indikation: Behandlung von Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant

Verabreichung: Einnahme als Tabletten (oral)

Dosierung: Die empfohlene Dosis Abemaciclib bei Anwendung in Kombination mit endokriner Therapie beträgt 150 mg zweimal täglich (anders als bei den anderen CDK4/6 Hemmern gibt es bei Abemaciclib keine Pausenwoche!)

Nebenwirkungen: Abfall der weißen Blutkörperchen (weniger häufig als bei den beiden anderen CDK4/6i); Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Fatigue

Wechselwirkungen: CYP3A4-Inhibitoren (ggf. Dosisreduktion von Abemaciclib erforderlich)

 

 

 

Adriamycin: s. Doxorubicin

 

 

Alpelisib (Handelsname: Piqray): Alpelisib ist ein zielgerichtet wirkendes Medikament, das beim metastasierten hormonempfindlichen (HR+) Brustkrebs in Kombination mit einer Antihormontherapie eingesetzt werden kann. Diese Kombination verbessert das Überleben deutlich. Alpelisib wirkt nur bei Krebszellen mit einer PIK3CA-Mutation, die bei etwas 40% der hormonempfindlichen metastasierten Mammakarzinome vorliegt. Eine PIK3CA-Mutation bewirkt ein schnelleres Wachstum von Brustkrebszellen und eine schlechteren Krankheitsverlauf. Ob bei Ihrem Tumor eine PIK3CA-Mutation vorliegt, kann an Gewebeproben untersucht werden. Wenn eine PIK3CA-Mutation am Tumor nachgewiesen wird, kann eine Kombinationstherapie aus Fulvestrant + Alpelisib durchgeführt werden. Bei jungen (prämenopausalen) Frauen muss die Eierstocksfunktion mittels GnRHa-Gabe ausgeschaltet werden, um Fulvestrant wirksam einsetzen zu können.

Indikation: Alpelisib kann nur angewendet werden, wenn die Brustkrebszellen eine spezifische Mutation (Veränderung) im Gen PIK3CA haben (PIK3CA-Mutation). Weitere Voraussetzungen zum Einsatz von Alpelisib in Kombination mit Fulvestrant zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom sind, dass die Krebszellen Hormonrezeptor (HR)-positiv und HER2-negativ sind und die erste Antihormontherapie nicht mehr funktioniert.

Verabreichung: als Tablette (oral)

Dosierung: 300 mg Alpelisib (2 Filmtabletten zu 150 mg) einmal täglich, kontinuierlich eingenommen. Alpelisib sollte jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit unmittelbar nach einer Mahlzeit eingenommen werden.

Nebenwirkungen: u.a. zu hohe Blutzuckerwerte, Durchfall, Übelkeit, verminderter Appetit, Hautausschlag

 

 

Anthrazykline (auch Anthracycline): werden bei Brustkrebs als Chemotherapie eingesetzt. Anthrazykline wirken antibiotisch und werden aus Bakterien gewonnen. In der Chemotherapie werden Anthrazykline als Zytostatika (Zellgifte) angewendet. Sie töten Zellen (z.B. Tumorzellen) ab, die sich häufig teilen. Zu den bei Brustkrebs eingesetzten Anthrazyklinen zählen Epirubicin und Adriamycin (Doxorubicin).

 

 

Antihormontherapie (synonym: endokrine Therapie): Unter der endokrinen oder antihormonellen Therapie (Antihormontherapie) versteht man eine medikamentöse Therapie bei hormonempfindlichem (HR-positivem) Brustkrebs. Sie ist eine äußerst wirksame und wichtige Behandlungsmöglichkeit bei Brustkrebs, die bei vielen Patientinnen das Risiko für einen Rückfall oder ein Fortschreiten der Erkrankung senken kann. Eine

Antihormontherapie kann die Bildung von Östrogenen (weiblichen Geschlechtshormonen) verhindern oder die Hormonrezeptoren (HR) blockieren, so dass die Hormone nicht an der Tumorzelle andocken und sie „füttern“ können.

 

 

Antikörpertherapie: Die Antikörpertherapie bei Brustkrebs zählt zu den neueren und zielgerichteten Therapieverfahren. Sie funktioniert nach einem Schlüssel-Schloss-Mechanismus. Die Antikörper docken an Merkmale („Antennen“) an der Oberfläche der Krebszellen an. Dadurch werden gezielt Signalwege blockiert, die wichtig für das Wachstum der Tumorzellen sind. Durch die medizinisch eingesetzten Antikörper kann z.T. auch das Immunsystem aktiviert werden und so den Brustkrebs besser bekämpfen.

Beispiele: Trastuzumab, Pertuzumab

 

 

Aromatasehemmer  (Aromataseinhibitoren, AI): Die Aromatasehemmer werden als Antihormontherapie bei hormonempfindlichem Brustkrebs eingesetzt. Zur Gruppe der Aromatasehemmer zählen die Präparate Anastrozol, Exemestan oder Letrozol. Aromatasehemmer hemmen die Produktion der Geschlechtshormone. Bei der postmenopausalen Frau bilden die Eierstöcke keine Hormone mehr. Die Östrogene entstehen dann durch Umwandlung aus körpereigenen Vorstufen der Hormone v. a. im Fettgewebe. Das Enzym Aromatase führt diese Umwandlung durch. Aromatasehemmer blockieren dieses Enzym und verhindern so die Bildung von Östrogenen. Dies funktioniert aber nur bei „ausgeschalteten“ Eierstöcken, also nach den Wechseljahren (in der Postmenopause) oder wenn die Eierstöcke jüngerer Frauen durch so genannte GnRHa ausgeschaltet werden!

 

 

 

Atezolizumab (Handelsname: Tecentriq): Atezolizumab ist ein so genannter Checkpoint-Inhibitor und eine Immuntherapie bei Brustkrebs. Normalerweise sorgt der PD-1 Signalweg für eine Regulation des Immunsystems und schützt den Körper vor überschießenden Immunreaktionen. Krebszellen können diesen Mechanismus aber ausnutzen und sich vor den T-Zellen schützen. Atezolizumab bindet an PD-L1 und hemmt Wechselwirkungen zwischen PD-1 und PD-L1. Dadurch kommt es zu einer Reaktivierung des Immunsystems. Die Tumorzelle kann sich nicht mehr verstecken und kann angegriffen werden.

Indikation: Atezolizumab wird in Kombination mit nab-Paclitaxel bei Patientinnen mit metastasiertem triple-negativen Mammakarzinoms (TNBC) eingesetzt, deren Tumor eine PD-L1-Expression ≥ 1 % (der Immunzellen) zeigt und die keine vorherige Chemotherapie zur Behandlung der metastasierten Erkrankung erhalten haben.

Verabreichung: als Infusion (i.v.)

Dosierung: 840 mg, beim 28-Tage-Zyklus mit nabPaclitaxel: Gabe von Atezolizumab an den tagen 1 und 15 (nabPac Tag 1,8,15)

Nebenwirkungen: u.a. Abgeschlagenheit (Fatigue), verminderter Appetit, Übelkeit, Luftnot, Durchfall, Hautausschlag, Fieber, Erbrechen

 

 

 

C

Capecitabin: Capecitabin gehört zur Gruppe der Chemotherapie-Medikamente und zerstört Zellen, die sich teilen. Es wird erst im Körper (und vor allem in den Tumorzellen!) in den eigentlichen Chemotherapie-Wirkstoff Fluoruracil umgewandelt. Fluorouracil ähnelt Pyrimidin, einem Erbgut (DNA)-Bestandteil. wird in den Zellen dann „fälschlich“ eingebaut. Dies verhindert das Wachstum von Tumorzellen und tötet sie ab.

Eine besondere Nebenwirkung von Capecitabin ist das Hand-Fuß-Syndrom, bei dem eine Rötung, Schmerzhaftigkeit und bei schlimmerem Verlauf auch Einrisse oder eine Blasenbildung der Haut auftreten können. Meist empfiehlt der behandelnde Arzt zunächst eine Therapiepause bis zum Abklingen der Symptome und eine Dosisreduktion des Capecitabin; im schlimmsten Fall muss die Therapie sogar abgebrochen werden. Wichtig für die Patientinnen ist, Füße und Hände eher kühl zu halten und die Haut gut zu pflegen (mit Lotionen, Cremes und harnstoffhaltigen Salben).

Indikation:

  • zur Behandlung bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom (als Monotherapie), bei denen eine Therapie mit Taxanen und Anthracyclinen versagt hat oder eine weitere Anthracyclinbehandlung nicht angezeigt ist.
  • post-neoadjuvant: wenn beim triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) nach neoadjuvanter Therapie bei der Operation noch ein Tumorrest nachweisbar war

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Die entsprechende (nach Körperoberfläche der Patientin berechnete) Dosierung wird aus zwei verfügbaren Dosierungen zusammengestellt:

  • 150 mg Tabletten
  • 500 mg Tabletten

2 x tägliche Einnahme innerhalb von 30 min. nach einer Mahlzeit (morgens und abends, alle 12h), unzerkaut mit etwas Flüssigkeit

Dosierung:  

  • Monotherapie beim metastasierten Mammakarzinom: Anfangsdosis 1.250 mg/m2 Körperoberfläche zweimal täglich (morgens und abends; entsprechend einer gesamten Tagesdosis von 2.500 mg/m2) über 14 Tage, gefolgt von einer 7-tägigen Therapiepause.
  • Post-neoadjuvante Therapie: Anfangsdosis 1.000 mg/m2 Körperoberfläche zweimal täglich (morgens und abends; entsprechend einer gesamten Tagesdosis von 2.000 mg/m2) über 14 Tage, gefolgt von einer 7-tägigen Therapiepause; max 8 Zyklen à 3 Wochen

Nebenwirkungen: u.a. Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Mundschleimhautentzündung sowie das Hand-Fuß-Syndrom (Hand-Fuß-Hautreaktion, palmoplantare Erythrodysästhesie)

 

 

Carboplatin: ist ein Medikament aus der Gruppe der Chemotherapien (Zytostatika). Bei Krebszellen vernetzt Carboplatin die Erbinformation (DNA-Stränge). Dadurch stirbt die Zelle ab. Die Wirkung ist unabhängig vom Zellzyklus.

Die Schäden, die Carboplatin an Tumorzellen verursacht, die erblich (BRCA1 oder 2 Mutation) oder erblichen Tumoren ähnlich sind (wie z.B. die triple-negativen Tumoren) (TNBC), sind von diesen Tumoren besonders schlecht auszugleichen, da in diesen Tumoren die DNA-Reparatur durch Ausfall der Reparaturmechanismen gestört ist. Deshalb spielt Carboplatin zunehmend bei TNBC und bei Tumoren mit einer BRCA-Mutation eine Rolle.

Indikation: zunehmend üblich als neoadjuvante Therapie beim TNBC in Kombination mit Taxanen

Verabreichung: als Infusion

Dosierung: meist AUC1,5 weekly, in Kombination mit Paclitaxel weekly

Nebenwirkungen: Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsstörungen, Veränderungen des Blutbildes (Thrombozytopenie, Neutropenie, Anämie), Hörschäden oder Ohrgeräusche (Tinnitus), Schädigung von Nieren (Abnahme der Kreatinin-Clearance) und Leber (veränderte Leberwerte)

 

 

CDK4/6 Hemmer: Die CDK4/6-Hemmer Palbociclib (Ibrance), Ribociclib (Kisqali), Abemaciclib (Verzenios) zählen zu den zielgerichteten Medikamenten, die bei Brustkrebs eingesetzt werden. Sie greifen im Zellzyklus der Krebszelle ein und blockieren die zyklinabhängigen Kinasen 4 und 6. Diese Enzyme regen im Zusammenspiel mit Cyclin D1 die Zellteilung an. Vor allem das Wachstum und die Teilung hormonempfindlicher (ER-positiver, PR-positiver) Brustkrebszellen hängt von diesen Enzymen ab. Die meisten gesunden Zellen bleiben verschont, weil dies für sie nicht gilt. Die CDK4/6 Inhibitoren werden in Kombination mit einer Antihormontherapie eingesetzt. Die Wirkung der Antihormontherapie wird dadurch deutlich verbessert, Resistenzen werden verhindert.

 

 

Chemotherapie: Unter einer Chemotherapie (auch: zytostatischer Therapie) versteht man eine medikamentöse Therapie von Krebserkrankungen. Vom medizinischen Personal wird der Name umgangssprachlich oft als „Chemo“ abgekürzt. Chemotherapie-Medikamente ("Zytostatika") hemmen die Teilung und Vermehrung der Tumorzellen. So wird das Wachstum von Tumoren gebremst oder gestoppt.

 

 

Cyclophosphamid: Cyclophosphamid ist ein Chemotherapeutikum (Zytostatikum) aus der Gruppe der Alkylanzien, das zur Behandlung von Tumorerkrankungen eingesetzt wird.

Indikation: Einsatz neoadjuvant, adjuvant und seltener in der metastasierten Situation, meist in Kombination mit Anthrazyklinen.

Verabreichung: als Infusion (i.v.)

Dosierung: 600 mg/m2, alle 2 bzw. 3 Wochen (je nach Schema)

Nebenwirkungen: u.a. Übelkeit, Erbrechen, Schädigung der Mundschleimhaut (Stomatitis)

 

 

 

D

Docetaxel: Docetaxel ist ein Chemotherapie-Medikament und gehört zu der Gruppe der Taxane. Docetaxel blockiert die Zellteilung, indem es verhindert, dass das „Zell-Skelett“ abgebaut wird. Dadurch können die Krebszellen sich nicht teilen und sterben ab.

Indikation:

  • Neoadjuvant / adjuvant: beim frühen Brustkrebs Gabe oft nach 4 vorausgehenden Zyklen EC/AC (Doxorubicin, Cyclophosphamid)
  • Metastasiert: in der fortgeschrittenen Situation Einsatz als Monotherapie (alleine) oder zusammen mit anderen Krebsmedikamenten (z.B. Trastuzumab/Pertuzumab oder Capecitabin)

Verabreichung: als Infusion über 1h

Dosierung: 75 mg/m2 alle 3 Wochen

Nebenwirkungen: u.a. niedrige Anzahl von weißen Blutkörperchen (Neutrophilen), niedrige Zahl roter Blutkörperchen (Anämie), Entzündung der Mundschleimhaut, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Nervenschäden im Bereich von Fingern und Zehen (bilden sich meist wieder zurück) (Polyneuropathie)

 

 

dosisdicht (synonym: q14d, q2w, dd, dosisintensiviert): der Begriff „dosisdicht“ bezieht sich auf die Abstände zwischen zwei Chemotherapie-Zyklen EC/AC. Während früher die Zyklen alle drei Wochen verabreicht wurden, wird dieser Abstand zunehmend auf zwei Wochen verkürzt, um eine höhere Wirkung der Chemotherapie zu erzielen. Bei dosisdichten Chemotherapien muss das Immunsystem, das keine ausreichende Zeit zur spontanen Erholung hat, mit Spritzen (G-CSF) unterstützt werden, die die Bildung von weißen Blutkörperchen anregen.

 

 

Doxorubicin (Handelsname: Adriamycin): Doxorubicin ist ein Chemotherapie-Medikament aus der Gruppe der Anthrazykline.

Indikation: Einsatz beim frühen und fortgeschrittenen (Brustkrebs) möglich

Verabreichung: als Infusion (i.v.)

Dosierung: 60 mg/m2 alle 2-3 Wochen

Nebenwirkungen: u.a. Risiko einer Kardiomyopathie (Schädigung des Herzmuskels), Blutbildverschlechterung, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall

Wechselwirkungen: Doxorubicin wird über Cytochrom P450 (CYP450) verstoffwechselt. Eine gleichzeitige Verabreichung von Medikamenten oder Nahrungsmitteln, die CYP450 hemmen oder verstärken, führt zu mehr Nebenwirkungen oder zu einer vermindern Wirksamkeit von Doxorubicin.

 

 

 

E

Endokrine Therapie (synonym: Antihormontherapie): Unter der endokrinen oder antihormonellen Therapie (Antihormontherapie) versteht man eine medikamentöse Therapie bei hormonempfindlichem (HR-positivem) Brustkrebs. Sie ist eine äußerst wirksame und wichtige Behandlungsmöglichkeit bei Brustkrebs, die bei vielen Patientinnen das Risiko für einen Rückfall oder ein Fortschreiten der Erkrankung senken kann. Eine

Antihormontherapie kann die Bildung von Östrogenen (weiblichen Geschlechtshormonen) verhindern oder die Hormonrezeptoren (HR) blockieren, so dass die Hormone nicht an der Tumorzelle andocken und sie „füttern“ können.

 

 

Epirubicin: Epirubicin ist ein Chemotherapie-Medikament aus der Gruppe der Anthrazykline.

Indikation: Einsatz beim frühen und fortgeschrittenen (Brustkrebs) möglich

Verabreichung: als Infusion

Dosierung: 90 mg/m2 alle 2-3 Wochen

Nebenwirkungen: u.a. Risiko einer Kardiomyopathie (Schädigung des Herzmuskels), Blutbildverschlechterung, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall

Wechselwirkungen: Epirubicin wird über Cytochrom P450 (CYP450) verstoffwechselt. Eine gleichzeitige Verabreichung von Medikamenten oder Nahrungsmitteln, die CYP450 hemmen oder verstärken, führt zu mehr Nebenwirkungen oder zu einer vermindern Wirksamkeit von Epirubicin.

 

 

 

Everolimus (Handelsname: Afinitor): Everolimus blockiert ein Enzym, das sogenannte mTOR („mammalian target of rapamycin“). mTOR ist an der Steuerung der Zellteilung und am Wachstum von Blutgefäßen beteiligt. Daher verhindert Afinitor die Teilung von Krebszellen und verringert ihre Versorgung. So werden Wachstum und Ausbreitung des Brustkrebses gehemmt.

Indikation: fortgeschrittener (metastasierter) Hormonrezeptor (HR)-positiver und HER2-negativer Brustkrebs Everolimus wird zusammen mit einem Arzneimittel aus der Gruppe der Antihormontherapie, dem Aromatasehemmer Exemestan angewendet, wenn andere Behandlungen, die sogenannten nichtsteroidalen Aromatase-Inhibitoren nicht wirksam waren

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Dosierung: Everolimus ist als Tabletten (2,5 mg, 5 mg und 10 mg) erhältlich; die empfohlene Dosis beträgt 10 mg einmal täglich.

Nebenwirkungen: u.a. Hautausschlag, Juckreiz, Übelkeit, verminderter Appetit, Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Gewichtsverlust, Schwellung von v.a. Fußgelenken und Füßen, Husten, geringe Zahl roter Blutkörperchen, Müdigkeit, Schwäche, Durchfall, Infektionen, Entzündung der Mundschleimhaut, hohe Blutzuckerspiegel, Lungenentzündung

 

 

 

 

 F

Fulvestrant: Fulvestrant hemmt die Hormonwirkung an der hormonempfindlichen (HR-positiven) Brustkrebszelle, gehört also zu den Medikamenten, die als Antihormontherapie eingesetzt werden. Es ist ein so genannter Östrogenrezeptor-Antagonist: Fulvestrant blockiert den Östrogenrezeptor der hormonempfindlichen Brustkrebszelle, schaltet diesen aus und führt zum Abbau von Östrogenrezeptoren. Fulvestrant darf bislang nur in der metastasierten Situation und nach den Wechseljahren (postmenopausal) eingesetzt werden. Vor den Wechseljahren (bei prämenopausalen Frauen) muss Fulvestrant mit einer Spritze, die die Eierstockfunktion ausschaltet (GnRHa) kombiniert werden, da sonst die Eierstöcke zur Hormonproduktion angeregt werden. Die Antihormontherapie mit Fulvestrant bewirkt ein „Aushungern“ hormonempfindlicher Tumorzellen und verlangsamt dadurch das Fortschreiten der Krankheit.

Indikation: beim hormonempfindlichen (HR-positiven) fortgeschrittenen/metastasierten Mammakarzinom, nach den Wechseljahren (vor den Wechseljahren nur in Kombination mit GnRHa möglich)

Verabreichung: als Spritze (intramuskulär, i.m.)

Dosierung: 500 mg (2 x 250 mg Spritzen) alle 4 Wochen; in den ersten vier Wochen Gabe alle 14 Tage (Tag 1, 15, 28, dann vierwöchentlich)

Nebenwirkungen:

  • Faslodex als Monotherapie (alleine gegeben): Schmerzen an der Injektionsstelle Schwäche, Übelkeit, erhöhte Leberenzyme
  • in Kombination mit CDK4/6-Inhibitoren zusätzlich: niedrige Spiegel der weißen und roten Blutzellen, niedrige Zahl der Blutplättchen, Infektionen, Müdigkeit, Übelkeit, Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) und Durchfall.

 

 

 

GnRH (Gonadotropin Releasing Hormone): ein Steuerungshormon, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird und z.B. bewirkt, dass die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken gebildet werden. Eine Blockade dieses Mechanismus durch sogenannte GnRH-Analoga (GnRHa) bewirkt eine Art Stillstand der Eierstöcke, also künstliche Wechseljahre.

 

 

 

GnRHa: Abkürzung für Gonadotropin releasing hormone analogon. GnRHa hemmen die Herstellung der Geschlechtshormone in den Eierstöcken, indem diese vorübergehend ausgeschaltet werden. Sie werden in der Antihormontherapie eingesetzt: v.a. bei prämenopausalen Frauen und meist in Kombination. Die Kombination mit Tamoxifen dient der Verstärkung der antihormonellen Wirkung, die Kombination mit Aromatasehemmern ermöglicht, dass diese bei prämenopausalen Frauen eingesetzt werden können. GnRHa werden auch parallel zur Chemotherapie als Eierstockschutz eingesetzt.

Verabreichung: als Depotspritze (subcutan, s.c.)

Dosierung: 3,6 mg Implantat Goserelinacetat, alle 4 Wochen

Nebenwirkungen: u.a. Wechseljahrsbeschwerden wie Abnahme der Libido (Sexualtrieb), Hitzewallungen, Schwitzen, trockene Scheide, Rötung/Schmerzen an der Einstichstelle

 

 

 

 

 

I

Immuntherapie: Das Immunsystem wird durch verschiedene Kontrollpunkte (Checkpoints) reguliert, um gezielte Immunantworten zu ermöglichen, aber eine Überreaktion des Körpers zu vermeiden. Der Checkpoint PD-L1 sitzt an der Oberfläche von Zellen und signalisiert dem Immunsystem, dass keine Gefahr mehr besteht. Die T-Zellen der Immunabwehr werden durch PD-L1 ausgeschaltet.

Diesen Mechanismus machen sich die Immunzellen bei Brustkrebs zunutze. Sie bilden an ihrer Oberfläche ebenfalls PD-L1 und tun einfach so, als ob der Tumor harmlos wären. Dadurch können sie das Immunsystem täuschen und ausschalten.

Die Immuntherapie-Medikamente bei Brustkrebs erkennen das Oberflächenmerkmal PD-L1, binden daran und blockieren diesen Checkpoint. Daher spricht man auch von Checkpoint-Inhibitoren. Durch die Hemmung von PD-L1 können die Immunzellen im Tumorgewebe dem Immunsystem keine falschen Informationen mehr signalisieren. Die T-Zellen werden wieder aktiviert und können die Brustkrebszellen gezielt angreifen. Die Immunantwort des Körpers auf den Tumor wird wieder möglich.

Nicht jeder Brustkrebs hat PD-L1 als Angriffspunkt: Bei etwas 40% der Mammakarzinome finden sich > 1% Immunzellen mit Nachweis von PD-L1. Nur bei diesen PD-L1 positiven Tumoren ist der Einsatz der Immuntherapie Atezolizumab (Handelsname: Tecentriq) nach heutigem Kenntnisstand sinnvoll.

 

 

 

M

mTOR Inhibitoren: mTOR Inhibitoren zählen zu den zielgerichteten Medikamenten, die bei Brustkrebs eingesetzt werden.  Sie wirken durch eine Hemmung von mTOR. Dadurch wird z.B. Wachstum, Ernährung und Blutgefäßbildung und -versorgung von hormonempfindlichen Brustkrebszellen verringert. Das Medikament Everolimus (Afinitor) wird in Kombination mit einer Antihormontherapie beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt. Die Wirkung der Antihormontherapie wird dadurch deutlich verbessert, Resistenzen werden verhindert.

 

 

 

 N

nabPaclitaxel (Handelsname: Abraxane): Der Chemotherapie-Wirkstoff in Abraxane, das Paclitaxel, gehört zu der Gruppe der Taxane. Paclitaxel blockiert die Zellteilung, indem es verhindert, dass das „Zell-Skelett“ abgebaut wird. Dadurch können die Zellen sich nicht teilen und sterben ab. Der Unterschied bei nabPaclitaxel im Vergleich zu konventionellem Paclitaxel ist, dass bei nabPaclitaxel das Paclitaxel in winzigen Partikeln, sogenannten „Nanopartikeln“, an ein beim Menschen vorkommendes Protein (Albumin) gebunden ist. Dies erleichtert die Herstellung einer Suspension, die als Infusion verabreicht werden kann, und führt zu einer höheren Paclitaxel-Konzentration im Gewebe.

Indikation: bei metastasierendem Brustkrebs, wenn die erste Behandlung nicht mehr wirkt und eine Standardbehandlung mit einem Anthracyclin nicht geeignet ist

Verabreichung: als Infusion (i.v.)

Dosierung: Die empfohlene Dosis für Abraxane beträgt 260 mg/m2, gegeben als Infusion über 30 Minuten alle 3 Wochen. Verringerung der Dosis: bei schwerer Neutropenie (Neutrophilenzahl < 500 Zellen/mm3 über eine Woche oder länger) oder schwerer sensorischer Neuropathie sollte die Dosis in den nachfolgenden Zyklen auf 220 mg/m2 reduziert werden. Bei Wiederauftreten dieser Nebenwirkungen sollte die Dosis auf 180 mg/m2 herabgesetzt werden.

Nebenwirkungen: u.a. Neutropenie (niedrige Anzahl an Neutrophilen, weißen Blutkörperchen), Störungen des Verdauungssystems, Neuropathie (Nervenschädigung, einschließlich Nervenschädigung an Händen und Füßen), Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen

 

 

neoadjuvant (neoadjuvante Therapie, NACT): synonym: primär-systemische Therapie (PST); bei der neoadjuvanten oder primär-systemischen Therapie wird die medikamentöse Therapie (Chemotherapie, Antikörpertherapie, Antihormontherapie) vor der Operation durchgeführt, also vorgezogen. Dadurch kann die Tumorgröße vor der Operation verkleinert werden und eine bessere Operabilität erreicht werden. Ein weiterer Vorteil dieser Reihenfolge ist, dass man am Tumor beobachten kann, ob die Medikamente auch wirklich wirken (in vivo Sensibilitätstestung).

 

 

Neratinib (Handelsname: Nerlynx): Neratinib ist ein zielgerichtet gegen HER2 wirksames Medikament. Es kann bei der Behandlung des HER2-positiven und hormonrezeptorpositiven Brustkrebses im Anschluss an eine 1-jährige Trastuzumab-Therapie eingesetzt werden. Der Wirkstoff ist (anders als Trastuzumab, Pertuzumab und T-DM1, die Antikörper sind) ein so genanntes „small molecule“.

Indikation: HER2-positives und hormonrezeptorpositives Mammakarzinom im Anschluss an eine 1-jährige Trastuzumab-Therapie;

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Dosierung: 6 Tabletten (240 mg) einmal täglich zu einer Mahlzeit, vorzugsweise morgens; Therapie-Dauer: 1 Jahr; die Behandlung sollte innerhalb von einem Jahr nach Beenden der adjuvanten Behandlung mit Trastuzumab begonnen werden

Nebenwirkungen: u.a. häufig Durchfälle, weniger häufig Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Bauchschmerzen und Hautausschlag.

 

 

 

O

Olaparib (Handelsname: Lynparza): Olaparib zählt zur Gruppe der PARP Inhibitoren. Dies sind zielgerichtete Medikamente, die die Enzyme PARP = Poly-[ADP-Ribose-]Polymerase blockieren, welche wiederum eine wichtige Rolle bei der Reparatur der Erbinformation (DNA) von Zellen spielen. Eine Hemmung dieser Enzyme führt dazu, dass die Zelle Schäden nicht mehr reparieren kann und abstirbt. Olaparib ist beim Eierstockkrebs schon länger zugelassen und darf nun seit einigen Jahren auch bei Brustkrebs eingesetzt werden. Voraussetzung ist der Nachweis einer BRCA-Mutation (= erblicher Brustkrebs) und das Vorliegen eines lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, HER2-negativen Mammakarzinoms, das bereits mehrfach vorbehandelt wurde. In der Zulassungsstudie war Olaparib besser als die verglichenen Chemotherapien.

Indikation: Behandlung von HER2-negativem Brustkrebs, der sich über das ursprüngliche Gebiet ausgebreitet hat, bei Patienten mit Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen, die mit bestimmten Brustkrebsarzneimitteln behandelt wurden, wenn diese Arzneimittel nicht mehr wirken oder nicht geeignet waren;

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Dosierung: 300 mg (2 x 150 mg Tabletten) zweimal täglich – insgesamt 4 Tabletten jeden Tag; die Tabletten müssen unzerkaut im Ganzen geschluckt werden, mit oder ohne eine Mahlzeit.

Nebenwirkungen: überwiegend mild; u.a. Blutbildveränderungen wie Blutarmut (Anämie) und eine reduzierte Anzahl der weißen Blutkörperchen (Neutropenie), Übelkeit und Erbrechen.

 

 

 

P

Paclitaxel: Paclitaxel ist ein Chemotherapie-Medikament aus der Gruppe der Taxane. Paclitaxel blockiert die Zellteilung, indem es verhindert, dass das „Zell-Skelett“ abgebaut wird. Dadurch können die Krebszellen sich nicht teilen und sterben ab.

Indikation: beim heilbaren Brustkrebs (neoadjuvant und adjuvant) und in der metastasierten Situation; Kombination mit anderen Chemotherapien wie z.B. Carboplatin oder mit Antikörper-Therapien wie anti-HER2 Antikörpern oder Bevacizumab möglich

Verabreichung: als Infusion (i.v.)

Dosierung: inzwischen übliche Dosierung: 80 mg/m2 wöchentlich; früher 3-wöchentliche Gabe von 175 mg/m2

Nebenwirkungen: u.a. zu wenig weiße Blutkörperchen (Neutrophile) im Blut, dadurch schlechteres Immunsystem, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Nervenschädigung, einschließlich Nervenschädigung (periphere Polyneuropathie) an Händen und Füßen, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen (Myalgie).

Es gibt gute Hinweise dafür, dass die milde Kühlung von Händen und Füßen während der Infusion das Auftreten einer Nervenschädigung verhindern kann.

 

 

Palbociclib (Handelsname: Ibrance): Palbociclib ist ein CDK4/6-Hemmer und somit ein zielgerichtetes Medikament, das beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt wird. Vor allem das Wachstum und die Teilung hormonempfindlicher (ER-positiver, PR-positiver) Brustkrebszellen hängt von diesen Enzymen ab. Die meisten gesunden Zellen bleiben verschont, weil dies für sie nicht gilt. Palbociclib wird in Kombination mit einer Antihormontherapie, respektive Aromatasehemmern oder Fulvestrant, beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt. Die Wirkung der Antihormontherapie wird dadurch deutlich verbessert, Resistenzen werden verhindert. Wird Palbociclib vor den Wechseljahren gegeben, muss die Eierstockfunktion mit einem GnRHa ausgeschaltet werden.

Indikation: Behandlung von Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Dosierung: Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 125 mg Palbociclib für 21 aufeinander folgende Tage, gefolgt von 7 Tagen ohne Behandlung (3/1 Schema). Dies ergibt einen vollständigen Behandlungszyklus von 28 Tagen.

Nebenwirkungen: u.a. Neutropenie (niedrige Konzentrationen an Neutrophilen, weißen Blutkörperchen), Infektionen, Leukopenie (niedrige Anzahl an weißen Blutkörperchen), Ermüdung, Übelkeit, Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut)

Wechselwirkungen: Während der Behandlung mit Palbociclib ist die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A- Inhibitoren zu vermeiden. Achtung: keine gleichzeitig Johanneskraut-Einnahme!

 

 

PARP Inhibitoren (Olaparib, Talazoparib): Die PARP-Inhibitoren (Olaparib, Talazoparib) zählen zu der Gruppe der zielgerichteten Medikamente. Sie blockieren die Enzyme PARP = Poly-[ADP-Ribose-]Polymerase, die eine wichtige Rolle bei der Reparatur der Erbinformation (DNA) von Zellen spielen. Wenn diese Enzyme gehemmt werden, kann die Zelle Schäden nicht mehr reparieren und es kommt zum Zelltod. Die PARP-Inhibitoren sind aus der Behandlung des Eierstockskrebs schon einige Jahre bekannt.

 

 

PD-L1: Das Immunsystem wird durch verschiedene Kontrollpunkte (Checkpoints) reguliert, um gezielte Immunantworten zu ermöglichen, aber eine Überreaktion des Körpers zu vermeiden. Der Checkpoint PD-L1 sitzt an der Oberfläche von Zellen und signalisiert dem Immunsystem, dass keine Gefahr mehr besteht. Die T-Zellen der Immunabwehr werden durch PD-L1 ausgeschaltet.

Diesen Mechanismus machen sich die Immunzellen bei Brustkrebs zunutze. Sie bilden an ihrer Oberfläche ebenfalls PD-L1 und tun einfach so, als ob der Tumor harmlos wären. Dadurch können sie das Immunsystem täuschen und ausschalten.

Die Immuntherapie-Medikamente bei Brustkrebs erkennen das Oberflächenmerkmal PD-L1, binden daran und blockieren diesen Checkpoint. Daher spricht man auch von Checkpoint-Inhibitoren. Durch die Hemmung von PD-L1 können die Immunzellen im Tumorgewebe dem Immunsystem keine falschen Informationen mehr signalisieren. Die T-Zellen werden wieder aktiviert und können die Brustkrebszellen gezielt angreifen. Die Immunantwort des Körpers auf den Tumor wird wieder möglich.

Nicht jeder Brustkrebs hat PD-L1 als Angriffspunkt: Bei etwas 40% der Mammakarzinome finden sich > 1% Immunzellen mit Nachweis von PD-L1. Nur bei diesen PD-L1 positiven Tumoren ist der Einsatz der Immuntherapie Atezolizumab (Handelsname: Tecentriq) nach heutigem Kenntnisstand sinnvoll.

 

 

Pertuzumab (Handelsname: Perjeta): Pertuzumab ist wie Trastuzumab ein Antikörper gegen HER2. Er dockt allerdings an einer anderen Stelle am HER2-Rezeptor an. Pertuzumab verstärkt die Wirkung von Trastuzumab deutlich. Daher werden diese beiden Antikörper meist gemeinsam verabreicht. Eine Therapie mit Pertuzumab (anfangs meist zunächst in Kombination mit einer Chemotherapie; und meist in Kombination mit Trastuzumab) ist beim HER2-positiven Mammakarzinom in allen Stadien indiziert, also neoadjuvant, adjuvant und in der metastasierten Situation.

Indikation: Behandlung bei einem „HER2-positiven“ Brustkrebs; Anwendung in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten bei: Brustkrebs im Frühstadium, lokal begrenzt zurückgekehrtem Brustkrebs und bei metastasiertem Brustkrebs (Krebs, der sich auf andere Körperregionen ausgebreitet hat).

Verabreichung: als Infusion (i.v.); oder in Fix-Kombination mit Trastuzumab als Phesgo® als Spritze

Dosierung: Pertuzumab ist als Infusion (Erstgabe 840 mg über 60 min., Folgegaben 420 mg über 30 min.) und als subkutane Spritze in Fixkombination mit Trastuzumab (Phesgo®, s.u.) verfügbar. Pertuzumab muss alle 3 Wochen verabreicht werden.

Nebenwirkungen: Pertuzumab kann insbesondere bei Patientinnen, die mit Anthrazyklinen behandelt wurden, die Herzfunktion beeinträchtigen (daher wird vor Beginn einer Therapie die Herzfunktion gründlich überprüft). Mögliche weitere aber eher seltenere

Nebenwirkungen, die sich zum Teil auch aus der Kombination mit Chemotherapie oder Trastuzumab ergeben, sind Infektionen, Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut, Veränderungen des Blutbildes, Abgeschlagenheit, trockene Haut und Schleimhäute, Grippe-ähnliche Symptome, Durchfall, Übelkeit.

 

 

Phesgo (Pertuzumab/Trastuzumab Fixkombination):  Die beiden bekannten und schon lange Jahre in der Therapie von HER2-positivem Brustkrebs eingesetzten Antikörper Pertuzumab und Trastuzumab stehen jetzt als Fixkombination und in Form einer Spritze zur Verfügung (und müssen nicht mehr als zwei Infusionen nacheinander über die Vene verabreicht werden). Die Wirksamkeit der kombinierten Spritze ist der Wirksamkeit der Infusion vergleichbar! Wie bisher üblich, werden die Antikörper zunächst mit einer Chemotherapie kombiniert.

Indikation: Behandlung bei einem „HER2-positiven“ Brustkrebs; Anwendung in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten bei: Brustkrebs im Frühstadium, lokal begrenzt zurückgekehrtem Brustkrebs und bei metastasiertem Brustkrebs (Krebs, der sich auf andere Körperregionen ausgebreitet hat).

Verabreichung: als Spritze (subcutan, s.c.), Erstgabe von Phesgo sollte über acht Minuten, Folgegaben über 5 Minuten; alle 3 Wochen Wiederholung (im Frühstadium insgesamt 1 Jahr, bei metastasierter Situation: solange die Patientin von der Therapie profitiert)

Dosierung: 1. Gabe: Pertuzumab 1200 mg/Trastuzumab 600 mg; ab 2. Gabe und alle Folgegaben:  Pertuzumab 600 mg / Trastuzumab 600 mg

Nebenwirkungen: es treten selten Nebenwirkungen auf; wenn, dann u.a. Durchfall, Übelkeit, Blutarmut (Anämie), Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Haarausfall (letzterer ist auf die gleichzeitige Gabe der Chemotherapie zurückzuführen).

 

 

PIK3CA: Eine PIK3CA-Mutation bewirkt ein schnelleres Wachstum von Krebszellen und eine schlechteren Krankheitsverlauf. Ob bei Ihrem Tumor eine PIK3CA-Mutation vorliegt, kann an Gewebeproben untersucht werden. Wenn bei Ihnen eine PIK3CA-Mutation nachgewiesen wird, kann eine Kombinationstherapie aus Fulvestrant  mit dem PIK3CA Hemmer Alpelisib durchgeführt werden.

 

 

primär-systemische Therapie (PST): synonym: neoadjuvante Therapie (NACT); bei der neoadjuvanten oder primär-systemischen Therapie wird die medikamentöse Therapie (Chemotherapie, Antikörpertherapie, Antihormontherapie) vor der Operation durchgeführt, also vorgezogen. Dadurch kann die Tumorgröße vor der Operation verkleinert werden und eine bessere Operabilität erreicht werden. Ein weiterer Vorteil dieser Reihenfolge ist, dass man am Tumor beobachten kann, ob die Medikamente auch wirklich wirken (in vivo Sensibilitätstestung).

 

 

 

R

Ribociclib (Handelsname: Kisqali): Ribociclib ist ein CDK4/6-Hemmer und somit ein zielgerichtetes Medikament, das beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt wird. Vor allem das Wachstum und die Teilung hormonempfindlicher (ER-positiver, PR-positiver) Brustkrebszellen hängt von diesen Enzymen ab. Die meisten gesunden Zellen bleiben verschont, weil dies für sie nicht gilt. Ribociclib wird in Kombination mit einer Antihormontherapie, respektive Aromatasehemmern oder Fulvestrant, beim metastasierten Brustkrebs eingesetzt. Die Wirkung der Antihormontherapie wird dadurch deutlich verbessert, Resistenzen werden verhindert. Wird Ribociclib vor den Wechseljahren gegeben, muss die Eierstockfunktion mit einem GnRHa ausgeschaltet werden.

Indikation: Kisqali wird zur Behandlung von Frauen mit einem Hormonrezeptor(HR)-positiven, HER2-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder angewendet.

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Dosierung: einmal täglich 600 mg (3 Filmtabletten mit je 200 mg) Ribociclib für 21 aufeinanderfolgende Tage, gefolgt von 7 Tagen ohne Behandlung; dies ergibt einen vollständigen Behandlungszyklus von 28 Tagen.

Nebenwirkungen: Infektionen, geringe Anzahl weißer Blutkörperchen, Kopfschmerzen, Husten, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Haarausfall und Ausschlag.

Wechselwirkungen: Die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren sollte vermieden werden.

Achtung: Ribociclib darf nicht bei Patienten angewendet werden, die allergisch gegen Erdnüsse oder Soja sind.

 

 

 

S

Small Molecules: Medikamente, die als „Small Molecules“ bezeichnet werden, sind im Vergleich zu anderen Substanzen (wie zum Beispiel Antikörpern) sehr klein. Aufgrund ihrer geringen Größe können sie direkt in die Zelle eindringen und dort den inneren Teil der Rezeptoren, die Tyrosinkinasen, hemmen. Sie stören also die Übertragung der Wachstums- und Teilungssignale in der Zelle; die Zelle kann sich nicht teilen.

Beispiele bei Brustkrebs: Lapatinib, Neratinib

 

 

 

T

Tamoxifen: Tamoxifen ist ein sogenanntes Antiöstrogen oder auch SERM (Selective Estrogen Receptor Modulator) und wird in der Antihormontherapie bei hormonempfindlichem Brustkrebs seit Jahrzehnten eingesetzt. Tamoxifen bindet an die Hormon-Rezeptoren (HR) an der Zelloberfläche von Brustkrebszellen, an die sonst die Östrogene binden. So wird der Rezeptor besetzt und blockiert. Östrogene können nicht mehr andocken und einen Wachstumsreiz der Zelle anstoßen. Die Tumorzelle wird „ausgehungert“. Eine Tamoxifen-Therapie reduziert das Rückfallrisiko deutlich. In der adjuvanten (vorsorglichen) Situation noch lange über die Zeit der Einnahme hinaus.

Indikation: Zur Behandlung von hormonempfindlichem (HR-positiven) Brustkrebs als adjuvante und palliative Therapie. Einsatz vor und nach den Wechseljahren (prä- und postmenopausal) möglich

Verabreichung: als Tabletten (oral)

Dosierung: 20 mg/1 x täglich, unabhängig von Mahlzeiten; in der prophylaktischen (adjuvanten) Situation 5-10 Jahre Einnahme, in der metastasierten Situation: so lange wie die Therapie wirkt

Nebenwirkungen: Tamoxifen kann (muss aber nicht!) Wechseljahrsbeschwerden verursachen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme. Weitere seltene Nebenwirkungen sind Thrombosen, eine hoch aufgebaute Gebärmutterschleimhaut (Endometriumhyperplasie) und sehr selten Gebärmutterschleimhautkrebs. Unter Tamoxifen sollte regelmäßig (mind. 1x/Jahr) eine augenärztliche Kontrolle erfolgen, da sich bei älteren Patientinnen die Augenlinsen eintrüben, also ein grauer Star entwickeln, kann

Wechselwirkungen: Tamoxifen wird erst im Körper von dem Enzym CYP2D6 zum aktiv wirksamen Medikament verstoffwechselt. Medikamente oder Nahrungsmittel, die CYP2D6 hemmen oder anregen, können die Wirksamkeit verändern.

 

 

Talazoparib (Handelsname: Talzenna): Talazoparib zählt zur Gruppe der PARP Inhibitoren, die das Enzym PARP = Poly-[ADP-Ribose-]Polymerase blockieren, das eine wichtige Rolle bei der Reparatur der Erbinformation (DNA) von Zellen spielt. Durch die Hemmung dieses Enzyms kann die Zelle Schäden nicht mehr reparieren und es kommt zum Zelltod.

Talazoparib wird als Therapie (Monotherapie) für die Behandlung von Patientinnen mit BRCA1/2-Mutationen (familiärem Brustkrebs) angewendet, die ein HER2-negatives, lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom haben.

Indikation: Therapie bei fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-negativen vorbehandeltem Brustkrebs bei Patienten mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn

Verabreichung: als Hartkapseln (oral)

Dosierung: 1 mg, einmal täglich

Nebenwirkungen: u.a. Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen.

 

 

Taxane: Taxane werden aus der Rinde der Eibe gewonnen und hemmen die Zellteilung, indem sie den so genannten Spindelapparat hemmen und diesen für seine Funktion bei der Zellteilung unbrauchbar machen. Die Krebszellen können sich also nicht teilen und sterben ab. Bei Brustkrebs werden die Substanzen Paclitaxel (Taxol®), Docetaxel (Taxotere®) und nab-Paclitaxel (Abraxane®) eingesetzt. Die Taxane werden als Infusion über die Vene gegeben. Typische Nebenwirkungen der Taxane sind neben den üblichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie wie (eher leichteren) Blutbildveränderungen (Hämatotoxizität), eher mäßiger Immunschwäche und Haarausfall vor allem Schleimhauttrockenheit, Schleimhautentzündung, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen (Arthralgien und Myalgien) und das Risiko einer Nervenendenschädigung (periphere Polyneuropathie, PNP). Um das Risiko einer PNP zu verringern scheint es sinnvoll zu sein, die Hände und Füße während der Infusion der Taxane mild zu kühlen, um die Durchblutung in Fingern und Zehen und damit die dort ankommende Dosis an Chemotherapie zu verringern.

 

  

T-DM1 (Handelsname: Kadcyla): T-DM1 kombiniert den antiHER2-Antikörper Trastuzumab und eine Chemotherapie (Maytansin). Da T-DM1 ganz zielgerichtet nur an Zellern mit HER2-„Antenne“ bindet, dann in die Zelle eingeschleust wird und erst in der Zelle die Chemotherapie freigesetzt wird, wird das Medikament auch als „Trojanisches Pferd“ bezeichnet. Der große Vorteil ist, dass T-DM1 nicht in Zellen geschleust wird, die keinen HER2-Rezeptor tragen, so dass gesunde Zellen verschont bleiben. Daher hat das Medikament trotz hoher Wirksamkeit wenig Nebenwirkungen.

Indikation:

1. Therapie des metastasierten HER2-positiven Brustkrebses, wenn Trastuzumab bzw. die Kombination von Trastuzumab und Pertuzumab nicht mehr wirkt

2. beim HER2-positiven frühen Brustkrebs als „post-neoadjuvante“ Therapie, wenn also nach neoadjuvanter Behandlung mit Chemotherapie und antiHER2-Therapie (Trastuzumab und ggf. Pertuzumab) noch ein Tumorrest übriggeblieben ist.

Verabreichung: als Infusion (i.v.)

Dosierung: 3,6 mg/kg Körpergewicht, alle drei Wochen

Nebenwirkungen: u.a.  eine reduzierte Zahl an Blutplättchen (Thrombozytopenie), erhöhte Leberwerte, Blutarmut (Anämie) und Erschöpfung

 

 

Trastuzumab: Trastuzumab ist ein Antikörper, der gegen HER2 auf Mammakarzinomzellen gerichtet ist. Eine Therapie mit Trastuzumab (meist zunächst in Kombination mit einer Chemotherapie; oft in Kombination mit Pertuzumab) ist in allen Stadien des HER2-positiven Mammakarzinoms indiziert, also neoadjuvant, adjuvant und in der metastasierten Situation.

Indikation: Behandlung bei einem „HER2-positiven“ Brustkrebs; Anwendung in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten bei: Brustkrebs im Frühstadium, lokal begrenzt zurückgekehrtem Brustkrebs und bei metastasiertem Brustkrebs (Krebs, der sich auf andere Körperregionen ausgebreitet hat).

Verabreichung:

  • als Infusion (i.v.) (Erstgabe über 90 min., Folgegaben über 30 min.)
  • als subkutane Spritze (s.c.)
  • als subkutane Spritze in Fixkombination mit Pertuzumab (Phesgo®, s.u.) verfügbar

alle 3 Wochen Wiederholung (im Frühstadium insgesamt 1 Jahr, bei metastasierter Situation: solange die Patientin von der Therapie profitiert)

Dosierung:

  • als Infusion (i.v.) Erstgabe: 8mg/kg Körpergewicht, Folgegaben: 6mg/kg Körpergewicht
  • als subkutane Spritze (s.c.): 600 mg

Nebenwirkungen: Trastuzumab kann insbesondere bei Patientinnen, die mit Anthrazyklinen behandelt wurden, die Herzfunktion beeinträchtigen (daher wird vor Beginn einer Therapie die Herzfunktion gründlich überprüft). Mögliche weitere aber eher seltenere

Nebenwirkungen, die sich zum Teil auch aus der Kombination mit Chemotherapie oder Pertuzumab ergeben, sind Infektionen, Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut, Veränderungen des Blutbildes, Abgeschlagenheit, trockene Haut und Schleimhäute, Grippe-ähnliche Symptome, Durchfall, Übelkeit.