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Eine Brustkrebserkrankung betrifft nicht nur den Körper. Viele Patientinnen und Patienten erleben in dieser Zeit auch eine hohe seelische Belastung – manchmal schleichend, manchmal sehr plötzlich.
Vielleicht funktioniert im Alltag noch vieles „nach außen“, aber innerlich ist die Anspannung groß: Sorgen, Schlafprobleme, Erschöpfung oder das Gefühl, dauerhaft unter Druck zu stehen.
In der Psychoonkologie gibt es dafür einen Begriff: Distress.
Leiter Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoonkologie, Universitätsklinikum Würzburg
Distress beschreibt eine belastende Stressreaktion im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung. Gemeint ist damit nicht „normaler Alltagsstress“, sondern eine Belastung, die das innere Gleichgewicht deutlich stören kann.
Distress kann verschiedene Bereiche betreffen, zum Beispiel:
Wichtig: Distress ist keine Diagnose. Er ist ein Hinweis darauf, dass Unterstützung hilfreich sein kann.
Viele Menschen versuchen, in der Krebszeit „einfach weiterzumachen“. Das ist verständlich, aber auf Dauer sehr anstrengend.
Wenn Belastung früh erkannt wird, kann das helfen,
Distress ist außerdem nichts Ungewöhnliches: Psychische Belastung gehört zu den häufigen Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung. Es ist völlig legitim, sich Hilfe zu holen.
Um Belastung zu messen und dadurch sichtbar zu machen, wird in vielen Kliniken und Krebszentren das Distress-Thermometer genutzt. Das entspricht den hohen Maßstäben der Leitlinien zur Versorgung und sollte möglichst früh und im Verlauf immer wieder erfolgen.
Dabei handelt es sich um ein kurzes Screening-Instrument:
Das Distress-Thermometer kann helfen, das eigene Erleben einzuordnen und es kann ein guter Einstieg sein, um Belastung im Behandlungsteam anzusprechen.
Wichtig: Das Distress-Thermometer ersetzt keine Diagnostik und keine Therapie. Es ist ein Orientierungsinstrument (Screening), das zeigen kann, ob weitere Abklärung und zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein könnte. Eine Diagnose lässt sich mit einem solchen Instrument nicht stellen.
Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Werte. Belastung ist individuell. Trotzdem kann folgende Einordnung hilfreich sein:
Wenn Sie einen höheren Wert angeben oder merken, dass Sie kaum noch zur Ruhe kommen, ist das kein Grund zur Scham. Es ist ein Signal: Sie müssen das nicht allein tragen.
Prof. Dr. Pia Wülfing
Gynäkologin und Gründerin PINK! Aktiv gegen Brustkrebs
„PINK! Leben vermittelt Strategien zum Umgang mit Ängsten und psychischen Belastungen bei Brustkrebs.“
Welche Unterstützung passend ist, hängt davon ab, was Sie belastet und wie stark. Mögliche nächste Schritte können sein:
Viele Betroffene zögern, psychische Belastung im medizinischen Kontext zu nennen. Dabei gehört sie zur Versorgung dazu. Ein Satz kann reichen, zum Beispiel:
„Ich merke, dass mich das alles sehr belastet. „Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?“
Psychoonkologische Angebote helfen dabei,
Das kann in Form von Gesprächen, Beratung oder psychotherapeutischer Unterstützung erfolgen, vor Ort oder online.
Wann sollte ich Unterstützung suchen?
Je nach Ausmaß der Belastung reichen Unterstützungsangebote von Information und Beratung bis hin zu psychotherapeutischer Behandlung bei diagnostizierten psychischen Erkrankungen. In vielen Regionen gibt es als erste niederschwellige Anlaufstellen sogenannte Krebsberatungsstellen auch für Angehörige. Dort kann man in einem vertraulichen, geschützten und wenn gewünscht auch anonymen Rahmen z. B. über Sorgen, familiäre, berufliche oder finanzielle Themen sprechen und Unterstützung erhalten.
Auch kleine Schritte können helfen, das Nervensystem zu entlasten:
Viele denken: „Wenn die Therapie vorbei ist, müsste es doch leichter werden.“
Tatsächlich berichten viele Betroffene, dass die seelische Belastung nach Therapieende erst richtig spürbar wird, zum Beispiel in der Nachsorge oder wenn wieder mehr Alltag erwartet wird. Manche beschreiben es so, dass sie nach der Behandlung „in ein Loch fallen“ oder sich plötzlich leer, traurig oder dauerhaft angespannt fühlen. Auch Angst vor Kontrollterminen oder vor einem Rückfall kann in dieser Phase wieder stärker werden.
Auch dann gilt: Belastung ist ernst zu nehmen und Unterstützung ist möglich.
Nein. Distress ist ein Belastungszustand, keine Diagnose. Eine Depression kann sich daraus entwickeln, muss es aber nicht. Wenn Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder Hoffnungslosigkeit über längere Zeit anhalten, ist ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung und ggf. Weitergehende Unterstützung sinnvoll. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt oder die behandelnde Gynäkologin, die beide eine Ausbildung in psychosomatischer Grundversorgung haben.
Dann ist das ein wichtiger Hinweis, dass eine weitere Abklärung notwendig ist. Sprechen Sie das im Behandlungsteam an oder wenden Sie sich an psychoonkologische Ansprechpartnerinnen oder Krebsberatungsstellen.
Ja. Psychische Belastung kann sich körperlich zeigen oder körperliche Beschwerden verstärken – zum Beispiel Schlafprobleme, Schmerzen oder Erschöpfung. Umgekehrt können körperliche Symptome auch die seelische Belastung erhöhen.
Distress ist ein Begriff für seelische Belastung in der Krebszeit. Er ist häufig und er ist ernst zu nehmen, weil er sehr belastend sein kann.
Das Distress-Thermometer kann helfen, Belastung einzuordnen und ins Gespräch zu kommen. Wenn die Belastung hoch ist, gibt es Unterstützungsmöglichkeiten: Sie müssen das nicht allein bewältigen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Behandlung. Bei starker oder anhaltender Belastung holen Sie bitte Unterstützung.
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