Risikofaktoren verstehen

Ob eine Frau an Brustkrebs erkrankt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Dabei gibt es einige Risikofaktoren, die durch den eigenen Lebensstil beeinflussbar sind: Rauchen, Übergewicht und Alkoholkonsum haben einen größeren Einfluss auf das Risiko, als vielen bewusst ist.
Für viele Frauen ist es motivierend zu wissen, dass sie mit einem gesunden Lebensstil das Brustkrebsrisiko aktiv senken können – und zugleich auch das Risiko für andere Krebsarten und Erkrankungen. Es lohnt sich also!

Beeinflussbare Risikofaktoren

Was Sie selbst tun können, um Ihr Brustkrebsrisiko zu senken

Brustkrebs entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren und lässt sich weder sicher vorhersagen noch vollständig vermeiden. Aber: Es gibt einige beeinflussbare Risikofaktoren, die Sie durch Ihren Lebensstil reduzieren können.

Gewichtsmanagement

Vor allem nach den Wechseljahren zählt Übergewicht zu den wichtigsten Risikofaktoren für Brustkrebs. Der Grund: Fettgewebe produziert Östrogen – ein Hormon, das das Wachstum des Brustgewebes anregen kann. Schon bei einer Gewichtszunahme von fünf BMI-Punkten (zum Beispiel von 25 auf 30) steigt das Brustkrebsrisiko nach den Wechseljahren um etwa 12–20 %. Bei starkem Übergewicht (BMI ab 30) erhöht sich das Risiko sogar deutlich – um bis zu 50–70 % im Vergleich zu Frauen mit Normalgewicht.

Wussten Sie schon?
Starkes Übergewicht (Adipositas, ab einem BMI von 30) ist eine chronische Krankheit – und nicht einfach eine Folge von Disziplinmangel, wie viele fälschlich glauben. Zum Glück stehen moderne Therapien zur Verfügung, die nachweislich und langfristig Übergewicht reduzieren können.

Bewegungsmangel

Ein bewegungsarmer Lebensstil erhöht Ihr Erkrankungsrisiko nicht nur indirekt über Gewichtszunahme, sondern auch direkt, weil Bewegung hormonelle und immunologische Schutzmechanismen stärkt. Experten empfehlen daher 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, z.B. zügiges Gehen oder Radfahren. Dadurch kann das Brustkrebsrisiko, vor allem nach den Wechseljahren, um etwa 20 bis 30% gesenkt werden.

Alkoholkonsum

Alkohol ist einer der wichtigsten lebensstilbasierten Risikofaktoren für Brustkrebs. Rund 8% der Brustkrebsfälle in Deutschland sind laut Deutschem Krebsinformationsdienst direkt auf Alkohol zurückzuführen, und das Risiko steigt schon bei relativ kleinen Mengen spürbar: Bereits ein Glas Wein oder Bier (ca. 10 g reiner Alkohol) am Tag erhöht das Brustkrebsrisiko um etwa 7–10 % gegenüber Abstinenz. Jede weitere tägliche Portion verstärkt den Effekt noch einmal. Am sichersten ist es, ganz auf Alkohol zu verzichten – oder den Konsum zumindest individuell so stark wie möglich einzuschränken. Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie empfiehlt maximal 10 g reinen Alkohol (ca. 100 ml Wein) am Tag und möglichst mehrere alkoholfreie Tage pro Woche.

Ernährung

Eine ungesunde, fettreiche Ernährung mit viel rotem Fleisch und wenig Obst und Gemüse kann das Risiko leicht erhöhen, auch wenn kein Übergewicht vorliegt. Ballaststoffreiche und mediterrane Kost sind dagegen empfehlenswert.

Stillen und Schwangerschaften

Mehrere Schwangerschaften, frühe Schwangerschaften und längeres Stillen senken das Brustkrebsrisiko, da sie den Hormonhaushalt langfristig verändern und die Brustzellen stabilisieren.

Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren

Eine Hormontherapie kann Wechseljahresbeschwerden wirksam lindern, ist aber mit einem leicht erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden. Hier hat sich in den letzten Jahren der Blick auf das Risikoprofil geändert: Während man eine Zeitlang wegen des erhöhten Brustkrebsrisikos möglichst auf HRT verzichtet hat, wird heute die Gesamt-Risikobilanz (also unter Berücksichtigung auch anderer Gesundheitsaspekte) wieder positiver gesehen, vor allem wenn eher früh in den Wechseljahren mit der individuell passenden Therapie begonnen wird und diese nicht zu lange durchgeführt wird. In jedem Fall sollte Ihr Arzt oder Ihre Ärztin vor dem Beginn einer Hormontherapie das Brustkrebsrisiko betrachten und die Therapie durch eine konsequente Brustkrebsvorsorge begleitet werden.

Zusammenspiel der Risikofaktoren

Das Brustkrebsrisiko entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren und lässt sich nie genau vorhersehen oder ganz ausschließen. Viele Risikofaktoren können Sie selbst beeinflussen und so Ihr persönliches Risiko reduzieren. Trotzdem bleibt ein Risiko und selbst ohne bekannte Risikofaktoren ist eine Erkrankung möglich.

Die Reduktion der Risikofaktoren ist darum ein guter und sinnvoller Schritt, sollte aber stets durch die zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Brustkrebs-Früherkennung ergänzt werden.
Shopping Basket