Was ist die Nachsorge und wann beginnt sie?

Die Nachsorge beginnt nach Abschluss Ihrer Akuttherapie, also nachdem – je nach Ihrer individuellen Behandlung – zum Beispiel eine Operation, eine Chemotherapie und/oder eine Strahlentherapie abgeschlossen wurden. Längerfristige Behandlungen wie die Antihormontherapie oder eine zielgerichtete Therapie laufen parallel weiter und werden durch die Nachsorge begleitet.

Die regelmäßigen Nachsorge-Termine haben zwei Ziele:

Beschwerden und Folgen der Behandlung erfassen: Ein Ziel der Nachsorge ist es, Nebenwirkungen, therapiebedingte Beschwerden und mögliche Spätfolgen zu erfassen und bei Bedarf zu behandeln. Dazu können beispielsweise Lymphödeme, Bewegungseinschränkungen, Schmerzen, Fatigue oder Beschwerden unter einer antihormonellen Therapie gehören. Auch Wechseljahresbeschwerden, sexuelle Beschwerden und psychosoziale Belastungen können Thema der Nachsorge sein.

Veränderungen früh erkennen: Außerdem wird bei den Nachsorgeterminen darauf geachtet, ob es Hinweise auf ein Wiederauftreten der Erkrankung in der behandelten Brust oder im ehemaligen Tumorgebiet gibt. Auch die andere Brust wird regelmäßig untersucht, um einen möglichen neuen Brustkrebs frühzeitig zu erkennen.

Eine routinemäßige Suche nach Metastasen mit Computertomografie (CT), einer Positronen-Emissions-Tomografie (PET), Röntgenaufnahmen oder Tumormarkern im Blut findet in der Regel nicht statt. Das kann zunächst verunsichern, ist aber gut begründet: Für beschwerdefreie Patientinnen konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass regelmäßige Untersuchungen dieser Art vorteilhaft sind. Sie können jedoch „Fehlalarme“ und weitere belastende Untersuchungen auslösen. Bei Beschwerden oder einem auffälligen Befund wird selbstverständlich gezielt weiter untersucht.

Der Nachsorgeplan im Überblick

Für Patientinnen mit invasivem Mammakarzinom ohne Beschwerden und ohne besondere Risikofaktoren empfehlen die Fachgesellschaften folgende Abstände:

Nachsorgeplan bei invasivem Mammakarzinom
Zeitraum nach BehandlungsendeNachsorgetermin (Gespräch + Tastuntersuchung)Bildgebung (Mammographie und/oder Ultraschall)Frauenärztliche Untersuchung
1.–3. Jahralle 3 Monate1× jährlich1× jährlich
4.–5. Jahralle 6 Monate1× jährlich1× jährlich
ab dem 6. Jahr1× jährlich1× jährlich1× jährlich
Zeitraum nach Behandlungsende
1.–3. Jahr
Nachsorgetermin (Gespräch + Tastuntersuchung) alle 3 Monate
Bildgebung (Mammographie und/oder Ultraschall) 1× jährlich
Frauenärztliche Untersuchung 1× jährlich
4.–5. Jahr
Nachsorgetermin (Gespräch + Tastuntersuchung) alle 6 Monate
Bildgebung (Mammographie und/oder Ultraschall) 1× jährlich
Frauenärztliche Untersuchung 1× jährlich
ab dem 6. Jahr
Nachsorgetermin (Gespräch + Tastuntersuchung) 1× jährlich
Bildgebung (Mammographie und/oder Ultraschall) 1× jährlich
Frauenärztliche Untersuchung 1× jährlich

Bei einem nicht invasiven Mammakarzinom beziehungsweise DCIS (Duktales Carcinoma in situ, einer nicht invasiven Veränderung in den Milchgängen der Brust) werden in den ersten drei Jahren halbjährliche klinische Untersuchungen empfohlen.

Wichtig: Diese Intervalle dienen der Orientierung. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt passt den Plan an Ihre persönliche Situation an. Fachleute sprechen von einer „risikoadaptierten Nachsorge“. Und: Wenn Sie zwischen zwei Terminen Beschwerden bemerken, warten Sie nicht auf den nächsten Termin, sondern lassen Sie die Beschwerden zeitnah abklären.

Welche Untersuchungen gehören zu einem Nachsorgetermin?

Ein regulärer Nachsorgetermin besteht aus drei Bausteinen:

Das Gespräch (Anamnese). Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt nach Beschwerden, Nebenwirkungen und Ihrem Befinden. Hier ist auch Raum für Sorgen und Ängste: Sprechen Sie an, was Sie beschäftigt.

Die Tastuntersuchung. Bei der Tastuntersuchung werden je nach vorausgegangener Operation beidseitig die Brust oder die Brustwand einschließlich der Narbenregion und der Lymphabflussgebiete abgetastet. Dabei wird besonders auf neu aufgetretene oder zunehmende Verhärtungen, Knoten oder andere Veränderungen im Bereich der Narbe und des ehemaligen Tumorgebiets geachtet.

Wichtig zu wissen: Im Bereich der Operationsnarbe können sich durch Narbengewebe oder andere Veränderungen nach der Behandlung Verhärtungen bilden. Eine tastbare Verhärtung bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Rezidiv (erneut aufgetretener Brustkrebs) vorliegt. Neue oder zunehmende Veränderungen sollten dennoch ärztlich beurteilt werden.

Die Bildgebung (einmal jährlich). Welche Untersuchung empfohlen wird, hängt von Ihrer Operation ab:

  • Nach brusterhaltender Operation: Mammographie beider Brüste, oft ergänzt durch Ultraschall. Laut S3-Leitlinie und AGO Leitlinie Mammakarzinom beginnend ein Jahr nach der ursprünglichen Mammographie beziehungsweise frühestens sechs Monate nach Abschluss der Bestrahlung.
  • Nach Entfernung der Brust (Mastektomie): Die nicht operierte Brust wird in der Regel einmal jährlich mammographisch untersucht. Die operierte Seite wird bei der Nachsorge zunächst abgetastet. Bei einer Brustrekonstruktion kann je nach Rekonstruktionsart und individuellem Befund zusätzlich eine bildgebende Untersuchung, zum Beispiel eine Mammographie, ein Ultraschall oder ein MRT, durchgeführt werden.

Bei welchem Arzt findet die Nachsorge statt?

In der Regel übernimmt Ihre niedergelassene Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt die Nachsorge. Alternativ kommen eine Klinikambulanz, ein zertifiziertes Brustzentrum oder eine onkologische Praxis infrage, oder Ihre Hausarztpraxis begleitet die Nachsorge unterstützend.

Die eigentlichen Brustuntersuchungen und die bildgebende Kontrolle erfolgen in der Regel durch spezialisierte Fachärzte:

Ansprechpartner in der Nachsorge
UntersuchungAnsprechpartner:in
Nachsorgetermin (Gespräch, Tastuntersuchung)Frauenarztpraxis, Brustzentrum oder onkologische Praxis
Mammographie / UltraschallRadiologische Praxis bzw. Frauenarztpraxis mit entsprechender Ausstattung
Frauenärztliche UntersuchungFrauenarztpraxis
Herzuntersuchung, Knochendichtemessung (falls empfohlen)Kardiologie bzw. entsprechende Facharztpraxis (Überweisung über die Nachsorgepraxis)
Untersuchung
Nachsorgetermin (Gespräch, Tastuntersuchung)
Ansprechpartner:in Frauenarztpraxis, Brustzentrum oder onkologische Praxis
Mammographie / Ultraschall
Ansprechpartner:in Radiologische Praxis bzw. Frauenarztpraxis mit entsprechender Ausstattung
Frauenärztliche Untersuchung
Ansprechpartner:in Frauenarztpraxis
Herzuntersuchung, Knochendichtemessung (falls empfohlen)
Ansprechpartner:in Kardiologie bzw. entsprechende Facharztpraxis (Überweisung über die Nachsorgepraxis)

Bei erblich bedingtem Brustkrebs (etwa bei einer BRCA-Genveränderung) empfehlen Fachleute die Nachsorge in einem spezialisierten Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Mehr dazu lesen Sie unter Genetik.

Zusätzliche Untersuchungen, je nach Ihrer Therapie

Abhängig von Ihrer Behandlung können weitere Kontrollen zum Nachsorgeplan gehören:

  • Nach bestimmten Chemotherapien (z. B. mit Anthrazyklinen), einer Therapie mit Trastuzumab oder mit dem CDK4/6-Inhibitor Ribociclib: regelmäßige Kontrolle der Herzfunktion, zum Beispiel mit EKG und/oder Herzultraschall.
  • Bei Therapie mit Aromatasehemmern: Messung der Knochendichte, da die Knochendichte unter dieser Therapie abnehmen kann. Die Messung erfolgt einmal zu Therapiebeginn, danach in individuell festgelegten Abständen.
  • Während antihormoneller oder zielgerichteter Therapien: Bei einigen antihormonellen oder zielgerichteten Therapien sind je nach Wirkstoff zusätzliche Blut- oder Organfunktionskontrollen erforderlich.

Welche dieser Untersuchungen für Sie sinnvoll sind, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.

Praktische Tipps für Ihre Nachsorge

  • Nachsorgepass nutzen. Viele Kliniken und Praxen stellen einen Nachsorgepass aus, in dem alle Termine und Befunde dokumentiert werden. So behalten Sie und alle beteiligten Ärzt:innen den Überblick.
  • Termine im Voraus planen. Vereinbaren Sie den nächsten Termin am besten direkt, wenn Sie für den aktuellen in der Praxis sind – gerade in den ersten drei Jahren mit vierteljährlichem Rhythmus.
  • Fragen notieren. Schreiben Sie zwischen den Terminen auf, was Sie fragen möchten. So geht im Gespräch nichts unter.
  • Beschwerden nicht aufschieben. Bei neu auftretenden Beschwerden gilt immer: Zeitnah abklären lassen, statt auf den nächsten Termin warten. Dazu gehören etwa ein neuer Knoten oder eine Veränderung an Brust oder Brustwand, eine anhaltende Schwellung des Arms, neu auftretende ungeklärte Schmerzen oder andere Beschwerden, die über längere Zeit bestehen bleiben.

Wie Sie mit der Anspannung vor Terminen umgehen können, lesen Sie im Artikel Umgang mit Nachsorgeterminen.

Begleitung zwischen den Terminen: PINK! Coach

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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie Ihren persönlichen Nachsorgeplan mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

[1] Leitlinienprogramm Onkologie (DKG, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 5.0, AWMF-Registernummer 032-045OL
[2] Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), Kommission Mamma: Empfehlungen „Brustkrebs Nachsorge“
[3] Krebsinformationsdienst des DKFZ: Rehabilitation und Nachsorge bei Brustkrebs (Stand 07/2025)